Rollenspielzitate
"Wahrscheinlich fischen sie nur nach roten Heringen."
(Mitspielerin durchschaut die Funktion zweier mysteriöser Dauer-NSC.)
"Wahrscheinlich fischen sie nur nach roten Heringen."
(Mitspielerin durchschaut die Funktion zweier mysteriöser Dauer-NSC.)
Kurzum: Wer zwischen Monsterschnetzeln Diskurse über die Gerechtigkeit der Welt nach einschlägigen Philosophen führen möchte, sollte diesen Teil des Spiels mitnehmen. Allen anderen kann ich empfehlen, nach der Slideshow aufzuhören; man verpasst nichts.
NIIIEE spielen wollte ich Super Columbine Massacre RPG. Ich bin entgegen populärer Meinungen nicht der Ansicht, daß die Unterhaltungsindustrie nur eine bereits bestehende Gesellschaft widerspiegelt, sondern wechselseitig auch prägt. Zwar kann ich einen guten Actionfilm genauso genießen wie jeder andere, aber ich hinterfrage da durchaus die Ethik.
Nun ja. Es war Richard Castaldo, der mich durch seine Aussage zum Spiel dann doch überzeugte, mir das Ding mal anzuschauen. Und ich gestehe, anfangs habe ich mich köstlich amüsiert. Klingt krank, ist aber so.
SCMRPG geht mit einem gewissen schrägen Humor an die Sache heran. Das fängt bei den knuffigen Kindchenschema-Comicfiguren an, die man steuert, und hört nicht bei der Ironie auf, die die Dialoge und Interaktion mit Objekten durchzieht. (Sehr schön: Die Marilyn-Manson-CD. "Eigentlich stehe ich nicht auf Mainstream, aber wenn sie diese CD bei mir finden, werden sie dem Kerl alle Schuld in die Schuhe schieben!")
Ganz nebenbei lernt der Columbine-Laie einiges über die realen Geschehnisse. Okay, viele der präsentierten "Fakten" sind schlichtweg falsch oder eben ironisch gemeint, aber die aus Tagebucheinträgen zusammengesetzten Dialoge sind schon originell – und zum Teil zum Schreien. Für den Columbine-Kundigen wiederum bieten unzählige Anspielungen einen Anlaß zum Schmunzeln.
Je länger man spielt, desto öfter bleibt einem allerdings das Kichern im Hals stecken. Nach dem ungelogen rund dreidutzendsten Anlauf in Sachen "Bomben ungesehen in der Cafeteria deponieren und ungesehen wieder rausschleichen" war ich wirklich, wirklich in der Stimmung, diese im Gang herumlungernden Gestalten niederzumähen (wieso fragen sie, warum ich nicht im Unterricht bin?!), und entsprechend befriedigend waren die ersten Minuten des Shootouts. Aber dieser Effekt ist nur temporär. Auch wenn die Moralwächter Alarm schlugen: Hier ist nix mit Abstumpfung. Anders als bei allen anderen PC-Spielen, die ich kenne, lösen sich die Leichen nicht in Luft auf, sondern bleiben in ihrem Blut liegen. Und plötzlich gibt ihr Kindchenschema keinen Grund mehr zum Lachen.
Konsequenterweise folgt dem Selbstmord der SC eine Slideshow mit Fotos des realen Ereignisses – inklusive der beiden inzwischen berüchtigten Tatortaufnahmen von den Leichen der Täter. Wer die vorher noch nicht kannte, sollte einen robusten Magen mitbringen. Kopfschüsse durch Schrotflinte oder Halbautomatik sind nicht schön.
Danach darf es aber noch mal witzig werden mit einem, wie ich glaube, Abschlusslevel in der Hölle. "Glaube" insofern, weil ich ihn noch nicht gepackt habe. Man landet nämlich mitten in einem Doom-Level, mit nichts als einer Pistole und einem Nietzsche-Buch bewaffnet (worüber ich mal nachdenken sollte…), und es ist sicherlich nur fair, daß man sich nun in der Opferrolle wiederfindet und den Waffen der Gegner genauso wenig entgegenzusetzen hat wie zuvor die ermordeten Mitschüler den Tätern.
Auch wenn wie gesagt viele Fakten nicht stimmen, ist Super Columbine Massacre RPG mal eine ganz andere Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema.
(Korrektur zur ersten Rezension: SCMRPG ist kein Internetspiel. Man zieht sich die Datei auf den Rechner und spielt offline.)
Bin ja selbst bei so freundlichen Werkzeugen wie dem NWN-Tool eine absolute Amateurin. Was ist ein Script? Was ist ein Trigger? Und wozu zum Henker verwende ich Waypoints? Wenn ich dann im Forum stöbere und die Experten in Scriptspeak diskutieren sehe, komme ich mir völlig unterbemittelt vor. Zum Glück finden sich dort auch einige wenige verwandte Seelen, die bei einer Antwort á la "Ändere deinen Code in..." in den Hä?-Modus schalten.
In der Praxis sah es allerdings anders aus: Meinen ersten Versuch brach ich recht schnell ab, weil die Handlung nicht in Gang kam und ich mich mit den beiden SCs, die ich zu dem Zeitpunkt ins Feld führte, nicht identifizieren konnte. Jahre später versuchte ich es nochmals und gab auf, weil ich an einer Stelle nicht weiterkam - und mich die Handlung bis dahin immer noch nicht beeindruckte.
Vor kurzem nun startete ich den dritten Versuch, und wie es so schön heißt: Aller guten Dinge... Zuallererst die verblüffende Tatsache, daß Torment unter XP noch läuft. Ich meine, das Ding ist älter als Icewind Dale 1! Aber es läuft nahezu einwandfrei (dann und wann Probleme beim Umgebungswechsel), und die Graphik ist zwar riesig, aber absolut okay. Handlungstechnisch finde ich immer noch, daß es sich sehr zäh anläßt. Wenn man sich durchbeißt, kommt man irgendwann zu dem Punkt, an dem Torment den Spieler in seinen Bann zieht (dürfte bei mir etwa mit Annahs Auftritt der Fall gewesen sein), aber es erfordert über lange Strecken Durchhaltevermögen.
Torment war für seine Zeit insofern innovativ, daß es eine enorme Menge an Dialog beinhaltet, so viel findet man selbst bei neueren Spielen selten. Allerdings stimmt die Behauptung, man könnte es abgesehen von drei Obergegnern kampffrei spielen, eindeutig nicht. Originell, aber auch eine fiese Falle ist die Tatsache, daß man mit seinen Partymitgliedern reden muß, um wichtige Hinweise oder Erfahrungspunkte zu bekommen - sie rücken mit der Info nicht von selbst raus.
Und a propos Partymitglieder: Die Truppe ist sicher die ungewöhnlichste Formation aller Zeiten, aber man findet sie nicht so leicht. Es ist in sich logisch, daß mit wachsender Stärke der Gegner mehr Leute dazukommen, und das im Zuge der Handlung, trotzdem irritiert es. Ich dachte die ganze Zeit, ich sei einfach zu doof, um sie zu finden. Morte, den schwebenden, sprücheklopfenden und lüsternen Totenschädel hat man sofort dabei, und Schwertmeister Dak'kon kommt auch schnell dazu, aber der Rest...
Des weiteren hatte ich erfolgreich verdrängt, daß man bei Black Isle nicht in Gegenwart von Feinden speichern kann. Eine Einrichtung, die einen das Fluchen lehrt. Insbesondere, wenn man eine zehnminütige Dialogszene (und ich *meine* zehnminütig) hinter sich gebracht hat, woraufhin ein mörderischer Kampf mit Obergegner 1 folgt, woraufhin eine Videosequenz folgt, woraufhin jede Menge anderer Gegner folgen - UND MAN KANN NICHT SPEICHERN!
Aber von all dem abgesehen macht Torment süchtig. Das Planescape-Setting bietet genug Stoff für bizarre Zutaten: Eine schwangere Gasse, abnehmbare Körperteile, ein gestaltwandelnder Schrank, die Tatsache, daß Gedanken Realitäten schaffen können. Innerhalb kürzester Zeit geht es einem wie dem namenlosen Helden - man wundert sich über gar nichts mehr. Und während man zuerst noch die Stirn runzelt, kommt einem bald alles ganz normal vor. (Ist das ein Zeichen, sich Sorgen zu machen?)
Die Autoren haben sichtlich ihre Hausaufgaben gemacht und mehr. So ist Planescape: Torment nicht nur eine perfekte Umsetzung des Settings, sondern auch eine gigantische philosophische Diskussion über Leben und Tod, Liebe und Abhängigkeiten und - vor allem - die menschliche Natur. Definitiv kein Spiel für tumbe Powergamer.
Torment wird nie mein non plus ultra, Baldur's Gate 2, toppen können, aber es hat sich seinen Platz in meinen Top 3 erobert.
Und schön, daß ich nicht die einzige bin, der das passiert: Zum Verkaufsstart von Brisingr schreibt Christopher Paolini folgendes:
In Eldest, I implied that Saphira and Thorn were the first two dragons Jeod had ever seen. However, when I was in the middle of writing Brisingr, I realized that I had made a slight mistake with my timeline, confusing two different dates with similar numbers. Jeod traveled with Brom after Saphira’s egg was stolen from Galbatorix’s treasury, and the two of them certainly would have seen Morzan’s dragon, as well as dragons of the other Forsworn who were still alive. Oh well. I do my best to make sure that the Inheritance cycle is internally consistent, but the story has become so large and complicated, it’s easy to forget a detail here or there. I try to correct such mistakes whenever I find them or whenever they’re brought to my attention. In this case, I have changed Jeod’s dialogue on pg. 664, eighth paragraph of the hardcover edition of Eldest to read:
Then Jeod moved on to Saphira and bowed to her. “My entire life, I cherished the hope that, one day, I might see the rise of a new generation of dragons. I am indeed fortunate that my wish has come true. However, you are the dragon that I wanted to meet.”
The new lines will appear in the future printings of Eldest.
For those who are curious, I’ve made numerous small changes to the first two books since they were released: mainly fixing the occasional typo, but also smoothing a description here or there, repositioning an accent mark on a word in the ancient language, and even . . . well, I’ll leave the other changes for you to discover.
“Andrew tells his friends that he’s got a nifty idea for a Dark Ages: Vampire Chronicle. He’s been reading about the history of chivalry and wants to delve into changing ideas of holiness in the midst of secular duty. He asks those who’d like to play to come up with character concepts that include a strong religious component.”
Mein erster Gedanke war, ehrlich gesagt: „Oh. Ganz toll.“ Und ich stellte mir vor, was meine Leute sagen würden, käme ich mit dieser nifty idea an. Natürlich ist das DA-Setting und noch viel mehr die DA-Clansroman-Reihe dem mittelalterlichen Weltbild entsprechend sehr von religiösen Anschauungen geprägt. Beim Tischrollenspiel erfordert das allerdings einiges an Hintergrundwissen, einen Spielleiter, der die Stimmung der Zeit gut rüberbringen kann, und Spieler, die sich darauf einlassen – kurzgefaßt: Es erfordert verdammt fortgeschrittenes Rollenspiel. Nun bin ich leider so überhaupt nicht gut im Vermitteln von Stimmungen; an guten Tagen schaffe ich das vielleicht beim Schreiben, aber beim Spielen bin ich ja schon glücklich, wenn die NSCs halbwegs glaubhaft wirken. Also Hut ab vor jedem, der ein SL wie Andrew ist…!
Tja, meine lieben Spieler, ich fürchte, wir müssen es weiterhin semi-professionell machen – und wenn irgendwelche Leute mit ungarischen Namen in Transsylvanien rumlaufen, die katholische Messe vorn und hinten nicht passt oder die verschiedenen Machtgruppen 50 Jahre später als in Realität in Erscheinung treten, dann ist das eben so. White Wolf mogelt schließlich auch. Die Fortschritt-Bibliothek, sage ich nur, oder York Castle… und Moment, Vampire?!
Für alle, die mal einen etwas anderen Vampirroman lesen möchten: Sonja Blue gibt’s im Sammelband. Alle drei Romane der bad ass-Vampirin auf einen Schlag, damit kann man nicht falsch liegen. Leider ist die Kurzgeschichte Vampire King of the Goth Chicks nicht enthalten, eine sehr böse Parodie auf die Gothic-Szene, die genau auf meiner Wellenlänge liegt…
Kommt es übrigens nur mir so vor, oder können VtM und V:DA nur wenige charismatische NSCs aufweisen? Vielleicht liegt es ja daran, dass jede neue Generation von Autoren ihre eigene Sicht der Dinge offiziell machen möchte und deshalb nirgendwo eine klare Linie zu finden ist, oder aber es gibt einfach zu viele wichtige NSCs. Zu Edition 2 und 3 jedenfalls fallen mir nur sehr, sehr wenige ein, die mich interessieren; vermutlich bin ich auch deshalb hoffnungslos an den Clansromanen gescheitert (gähn). Und selbst in den „unabhängigen“ Romanen habe ich kaum Charaktere entdeckt, die anders als blaß rüberkamen (nicht doppeldeutig gemeint).
NSCs mit Profil: Beckett, Anatole, Theo Bell, Smiling Jack, Etrius, Saulot, Jervais
NSCs mit Profil und viel Klischee: Vykos (bitte!), Lucita (biiitte!), Tremere, Goratrix
Lesetipps:
Dark Ages: Clan Novel Nosferatu
Victorian Age Trilogy (A Morbid Initiation, The Madness of Priests, The Wounded King)
Lasombra Trilogy (Shards, Shadows, Sacrifices)
Brujah Trilogy (Slave Ring, The Overseer, The Puppet Masters)
Nicht mehr ganz kompatibel mit der 3. Edition, aber trotzdem lesenswert: Trilogy of the Blood Curse (The Devil's Advocate, The Winnowing, Dark Prophecy)Definitiv nicht mehr kompatibel, wenn es das je war, aber einige Passagen sind toll: House of Secrets