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Bücher

30
Dez
2009

Abandon all hope, ye who enter here

Comiczeichner und -texter Daniel Stone war immer der Elternteil, der zu Hause geblieben ist, um Tochter Trixie aufzuziehen, während seine Frau Laura an der Universität unterrichtet. Doch als Trixie ihren Ex-Freund beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben, bricht die Fassade der scheinbar heilen Familie zusammen.

The Tenth Circle ist mein aktueller Favorit unter allen bisher gelesenen Picoult-Werken, gerade weil der Klappentext in eine falsche Richtung deutet. Die vermutete Problematik - Vergewaltigung durch den Ex und Unglauben der Gemeinschaft - wird tatsächlich eher kurz abgehandelt, bevor sich die Geschichte in eine unerwartete Richtung bewegt. Selbstbetrug und Selbsterkenntnis sind Schlüsselthemen des Romans, gewürzt mit Alaska-Impressionen, Inuit-Legenden und Dante.

Während insbesondere Trixie und Laura zunächst als stereotypische Picoult-Frauen daherkommen (verwirrte, richtungslose Teenagerin respektive Karrierefrau), gewinnen sie im Laufe der Handlung dazu, aber die interessanteste Figur ist zweifellos Hauptcharakter Daniel, der wie sein Alter Ego, Comicheld Duncan aka Wildclaw (Mischung aus Hulk und Wolverine), mit der unterdrückten, zerstörerischen Seite seines Wesens kämpfen muß.

Ein großartiges Gimmick ist der Comicstrip, der sich quer durch das Buch zieht und der als zusätzlichen Gag eine versteckte Botschaft birgt. Ich frage mich, ob die betreffenden Panels in Übersetzungen neu gezeichnet werden mußten.

Ich konnte The Tenth Circle nach dem ersten Kapitel nicht mehr aus der Hand legen. Leseempfehlung!

28
Dez
2009

Zwischen den Jahren

Weihnachten samt Elternbesuch überlebt; den üblichen Zoff mit Muttern gehabt, mich um Vattern gekümmert, dem es recht schlecht geht, zwei Weihnachtsbäume geschmückt und entgegen meiner Art einige Beschlüsse für 2010 gefaßt.

Während der Feiertage gelesen: The Pact von Jodi Picoult, eines meiner Geschenke. Man merkt deutlich, daß es ein frühes Werk der Autorin ist - die emotionalen Zwickmühlen sind noch nicht so ausgereift wie in späteren Romanen, und welcher Lektor da geschlampt und eines der Kapitalverbrechen des Schreibens, die springenden Blickwinkel, durchgängig zugelassen hat, will ich gar nicht wissen. Böse, böse. Ansonsten aber durchaus lesenswert, auch wenn ich das Thema "Jugendliche und Selbstmord" irgendwo verschenkt fand.

27
Nov
2009

Schützenhilfe von unerwarteter Seite

Eine nicht ganz alltägliche Veröffentlichung dürfte Marilyn Manson – The Lonely Watchman sein. Literatur über den Schockrocker gibt es mehr als genug, und es gibt auch einige Literatur über ihn von christlicher Seite. Daß allerdings ein christlicher Autor Marilyn Mansons Arbeit lobt und als wichtig oder sogar notwendig darstellt, kommt wohl eher selten vor.

Richard D. Nelson ist ein gebildeter und tiefsinniger Autor, der die vorherrschende Meinung seiner Glaubensgenossen „Weiche von mir, Satan!“ mit Fachkenntnis und feiner Ironie in Grund und Boden stampft. Dabei ist sein Buch weniger ein Buch über den kontroversen Künstler selbst als vielmehr über das System, dessen Spiegel dieser darstellt. „Amerikanismus“ ist somit das Schlüsselwort des Werks, und obwohl Nelson bei aller Kritik eben doch ein Amerikaner ist, was seine Vorstellung von dem Bild Amerikas im Ausland beweist, zeigt er mit seiner Sozialkritik entscheidende Schwächen auf, die, wie er prophezeit, zum Zusammenbruch des Baus „America the Great“ führen werden – Schwächen, die in zunehmendem Maße natürlich Probleme der westlichen Kultur insgesamt sind, auch wenn er darauf speziell nicht eingeht. Man kann also auch als nicht-amerikanischer Leser wichtige Lehren aus seiner Analyse ziehen.

Halb wissenschaftliche Literatur, halb dem populären Bereich zuzuschlagen, liest sich Marilyn Manson – The Lonely Watchman gut und erhellend. Vielleicht nicht ganz objektiv, da Richard Nelson trotz gegenteiliger Behauptung im Vorwort doch eher pro-Manson schreibt. :-) Aber gerade im Bereich der christlichen Literatur tut diese Haltung gut. Schade nur, dass vermutlich diejenigen, die dieses Buch lesen sollten, es nicht in die Hand nehmen werden...

16
Nov
2009

Companions in Courage

Als absolut Sport-Uninteressierte (wer ist Robert Enke?) sagte mir der Name Pat LaFontaine nicht das geringste. Ich hatte mir sein Buch Companions in Courage nur gekauft, weil ich Dawn Annas Geschichte nachlesen wollte. Aber ich wurde sehr angenehm überrascht. LaFontaines Berichte über tapfere, größtenteils unbekannte Sportler (nicht, daß ich das beurteilen könnte...) sind keine Sportgeschichten - es geht um dem Sport verbundene Menschen, die sich schwierigen menschlichen Herausforderungen gestellt haben. Sei es eine Langstreckenläuferin mit zwei amputierten Unterschenkeln, die nebenbei auch Model wird, eine an MS erkrankte Frau, die Marathon läuft, auch wenn sie 28 Stunden bis zum Ziel braucht, Angehörige ethnischer Minderheiten, die ein Beispiel für junge Sportler ihres Hintergrundes sein wollen, einen Preisfechter, der Fechtschulen gründet, um straffällig gewordenen Jugendlichen einen konstruktiven Weg zum Abbau ihrer Aggressionen zu zeigen, oder solch scheinbar simple Fälle von sportlicher Ehre wie der einer Kampfsportlerin, die den Entscheidungskampf zur Auswahl ins Olympia-Team absagt, weil ihre Konkurrentin sich im "Halbfinale" verletzt hat und somit im Nachteil ist - alle Beispiele inspirieren und beweisen, daß es mehr als nur eine Art des Gewinnens gibt.

27
Okt
2009

Darf's ein Kilo mehr sein?

Ich bin naiv. Als ich von der Absolute Sandman-Reihe las, stellte ich mir so etwas wie einen Director's Cut vor. Ich war mir nicht bewußt, daß sich dahinter vier Bände vom Ausmaß eines Kirchenbuches verbergen. Entsprechend ächzte ich erst mal kräftig, als ich Band 1 als Geburtstagsgeschenk von Elterns abholen durfte. Ich weiß nicht, wie viel dieser Foliant wiegt. Ich will es auch nicht wissen (immerhin bekomme ich zu Weihnachten noch einen).
Die Aufmachung ist richtig klasse, Hardcover mit schniekem Einband und Schuber, Großformat. Ein Band enthält drei Bände der "normalen" Sandman-Reihe, neu koloriert plus Extras. Der Käufer bekommt also wirklich was für sein nicht so weniges Geld. Dafür sollte er auch Platz zur Verfügung haben.

21
Okt
2009

Lesen exzessiv: Ursache und Wirkung

Ich glaube nicht an Schrödingers Katze. Sie ist entweder tot oder lebendig. Der Unterschied ist, daß wir es nicht wissen. Unser Unwissen ändert nichts für die Katze. Entsprechend halte ich Paralleluniversen für eine blinde Hoffnung der Physiker – man trifft im Leben eine falsche Entscheidung, aber irgendwo da draußen macht ein Parallel-Ich alles richtig und lebt glücklich bis ans Lebensende. Ein Märchen, was bei der angeblich so realistischen Einstellung von Wissenschaftlern überrascht. Aber vielleicht passiert das, was man sich zu sehr in Theorien verliert… (Bei den angeblich irgendwie messbar gemachten Paralleluniversen handelt es sich um etwas anderes, aber ich will jetzt nicht zu sehr abschweifen.)
Das Schöne an Entscheidungen ist, daß sie final sind. Sie legen fest, in welche Richtung wir steuern, für gut oder böse. Und nur so können wir lernen.

Ashley Smith hat in ihrem jungen Leben so einige falsche Entscheidungen getroffen. Sie ist drogenabhängig und schafft es nie, sich auf längere Zeit zusammenzureißen, selbst als es sie das Sorgerecht für ihre Tochter kostet, die sie nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes allein aufziehen muss. Brian Nichols ist unter Waffengewalt aus einem Gerichtssaal geflohen, hat vier Menschen getötet und andere verletzt. Ihre beiden Lebenswege kreuzen sich, als Nichols in der Nacht nach seiner Flucht die junge Frau als Geisel nimmt und sich in ihrer Wohnung einquartiert. Sieben Stunden später lässt er sie gehen, damit sie ihre Tochter besuchen kann. Sie alarmiert die Polizei, und er ergibt sich widerstandslos. Aber beide haben in dieser Zeit voneinander und aus der Situation gelernt.

Ashley Smiths wahre Geschichte Unlikely Angel – The untold story of the Atlanta hostage hero ist ein Geiselerlebnis der anderen Art, in dem bei aller Angst und allem Mißtrauen zwei verzweifelte Menschen eine Verbindung zueinander suchen. Und wie Ashley Smith sehe ich, daß es kein Zufall war, der Brian Nichols ausgerechnet zu ihr geführt hatte. So hat sie endlich erkannt, was wichtig ist – für ihre Tochter da zu sein und Drogen ein für allemal aufzugeben. Und nur durch ihre Vergangenheit, schlimm und schmerzlich, wie sie auch gewesen sein mag, konnte sie eine Verbindung zu Nichols aufbauen.

unlikely

Lästig wie leider in wohl jeder christlichen Publikation die übermäßige Verwendung des Gottesbegriffes. Vermutlich soll es ein Zeichen des Glaubens sein – so auf du und du mit dem Höchsten zu sein. Daß dabei kontinuierlich das zweite Gebot verletzt wird, kommt dabei niemandem in den Sinn; andererseits dürfte die wahre Bedeutung (und die Absicht) der Gebote auch nur wenigen Christen bekannt sein. Traurig.

15
Okt
2009

Alles bleibt anders

Pünktlich zum Einheizen des New Moon-Fiebers erschienen: New Moon – The Official Illustrated Movie Companion, aus der Feder des erfahrenen Making-of-Schreibers Mark Cotta Vaz, der ein Talent dafür hat, seine Leserschaft für einen Film einzunehmen. (Ich mag besonders sein immer anders künstlerisch gestaltetes Foto am Ende eines Buches.) Im Vergleich mit dem Twilight Companion ist New Moon eher schmal ausgefallen und eine Studie im Zwischen-den-Zeilen-Lesen, aber die Bilder sind klasse wie immer, mit Blick fürs Detail.

So einige Infos zum kommenden Film waren noch nicht bis zu mir vorgedrungen, andererseits bemühe ich mich ja auch nicht darum, alles schon vorher zu wissen. Meinen drei großen Interessensgebieten Kostüm, Ausstattung und Farbpalette wurde viel Platz eingeräumt – löblich! :-) So habe ich nun gelernt, daß der kühle Ton des ersten Films (der klar Catherine Hardwickes gestalterischen Hintergrund verriet) gegen warme Farben ausgetauscht wurde - die Gegensätze Edward/Jacob, ihr versteht -, wobei Rot natürlich die Schlüsselfarbe darstellt.
Sehr cool fand ich, daß nicht digital aufgenommen wurde wie inzwischen üblich, sondern ganz altmodisch auf Film. Regisseur Weitz nennt sein Werk denn auch "a very old-fashioned movie", dessen Inspiration in Sachen Look die Prä-Raphaeliten, Rossetti und – oh, schmelz! – Burne-Jones sind.

Spannend die Kameraführung:
"(…) when Bella is with Edward the camera moves on a dolly and on rails, it's always moving in a very straight line, the axis is very x-y-z, very rigid, because their relationship is about restraints. When Bella is with Jacob, we used a Steadicam, which is fluid and organic, and when she's with her schoolmates, it’s more handheld, a sort of slangy visual language for the camera."
Ich freue mich schon aufs Beobachten!

Weitere Interessantheiten: Graham Greene spielt mit, was mich zum einen an einen bösen Spruch eines Kollegen erinnerte, den ich hier nicht wiedergeben werde, und zum anderen etwas misstrauisch stimmte, da mir fast schon zu viele große Namen versammelt sind. Aber hey, es ist Graham Greene!
Besonders auf eine Szene freue ich mich, von der ich stark hoffe, daß sie nicht der Schere zum Opfer gefallen ist, und das ist der Wechsel vom Volturi-Gemälde im Haus der Cullens zu der gleichen Szene "live" – und ja, Carlisle ist dabei. (Stephenie Meyer sollte definitiv über ihn schreiben.)

Würde ich das Buch empfehlen? Dem Fan – keine Frage. Dem Filminteressierten – auf jeden Fall. Allen anderen – eher nicht. Summit-Studiopolitik ist zu klar erkennbar und verhindert, daß der New Moon Companion ein ähnlicher Lesegenuß wie sein Vorgänger ist. Schade!

newmoon

12
Okt
2009

"Brooks, I like you now. Get out of here. Go home."

Kennt ihr das, daß ein Buch oder ein Film euch noch tagelang verfolgt? Passiert mir recht häufig (wie regelmäßige Leser dieses Blogs bemerkt haben dürften, hüstel). Es gibt auch rare Fälle, die mich so sehr mitnehmen, daß ich zunächst mal für nichts mehr zu gebrauchen bin. Zu großes Feintuning im Bereich Empathie – oder vielleicht überaktive Phantasie, wer vermag es zu sagen? Letzte Woche geschehen bei No Easy Answers – The Truth behind Death at Columbine, dessen Lektüre ich tatsächlich nach dem ersten Teil unterbrechen musste, obwohl ich Bücher, die mir zusagen, normalerweise in einem Rutsch verschlinge.

Der etwas reißerische Titelzusatz lässt einen journalistischen Special Agent bei der Durchsicht geheimer Akten vermuten. Tatsächlich wurde der größte Teil von Brooks Brown geschrieben, einem engen Freund der beiden Täter, der aus dieser ungewöhnlichen Perspektive heraus ein sehr viel ehrlicheres Bild zeichnen kann als alle Analytiker und Ermittler. (Co-Autor Rob Merritt steuert Fakten des Amoklaufs und Aussagen von Familienangehörigen bei.)

Most of all, my story is one of growing up with a friend I thought I knew, then watching him become something I never imagined he could be, erläutert Brooks Brown seine Absicht und faßt damit schon sehr gut den Inhalt des ersten Teiles zusammen. Er versucht die Tat seiner Freunde nicht zu entschuldigen (immerhin verlor er andere Freunde durch den Amoklauf), verurteilt aber auch die leichten Antworten, mit denen sich Politiker und Presse zufriedenstellen lassen wollen, sowie die Charakterisierung der Täter als einzelgängerische Außenseiter. Die Wahrheit ist wesentlich komplexer. Und so schildert Brooks Brown drei Jahre nach der Tat in Rückblicken seine Zeit mit Dylan Klebold, mit dem er seit der ersten Klasse befreundet war, und später seine Freund-/Feindschaft mit Eric Harris – und all die Dinge, die gut- oder aber schiefgingen.

In mancher Hinsicht erinnerte mich der Bericht an Jodi Picoults Nineteen Minutes, und tatsächlich war die Schriftstellerin Vorableserin des Buches; ihr wisst schon, die namhaften Leute, deren Urteil über das Werk auf dem Cover desselben erscheint. Während allerdings Picoult aus ihren Tätern reine Sympathieträger macht, kann Brown, wie bereits gesagt, differenzieren. Und vielleicht empfindet der Leser deshalb umso mehr seine Fassungslosigkeit über Dylan mit, der im Grunde seiner Seele ein feiner Kerl gewesen zu sein scheint. (Während bei Eric Harris recht früh zu erkennen war, welche Art unerfreulicher Geist sich da inkarniert hatte.)

Im zweiten Teil berichtet Brooks Brown von den Auswirkungen, die der Amoklauf hatte - insbesondere auf ihn selbst, als er sich plötzlich auf der Verdächtigenliste der Polizei wiederfand und dem Misstrauen und den Anschuldigungen der Bewohner von Littleton ausgesetzt war. Viel Raum wird der Suche nach der Wahrheit gewidmet, die die Familien mehrerer Opfer betreiben; angesichts Unterschlagungen und Cliquenwirtschaft seitens Polizei und Lokalpolitiker ein Kampf gegen Windmühlenflügel.
Und von den Verehrern wird berichtet, auf die die Autoren im Netz immer wieder stoßen: Girls will write about how they are "in love" with Eric and Dylan. Some have gone so far as to write about wanting to "dig them up and make love to their headless corpses." (Zumindest Dylan Klebold wurde kremiert, also viel Glück, Mädels…) Und in der erweiterten Ausgabe von 2006: Eric and Dylan have continued to remain cult heroes to some. Shortly after a programmer used home RPG-maker software to build a video game called Super Columbine Massacre RPG, a visit to the discussion forum on his website (…) revealed just how many kids – kids whose ages were still in the single digits when Columbine happened – idolize the two killers. These kids constantly say things like, "Eric and Dylan struck a blow for bullied kids everywhere." They conveniently leave out the fact that Eric and Dylan didn’t kill bullies, but instead shot innocent kids (…). Some people will believe what they want to believe, no matter how much evidence you throw at them. If the legend sounds more interesting than reality, the legend often wins.

Ich empfehle viele Bücher. Es gibt wenige, von denen ich sagen würde, daß man sie unbedingt lesen sollte. Dies ist eines davon.

easy

8
Okt
2009

Echt philosophisch

Wiley war mir von Berufs wegen ein Begriff, aber daß dort auch eher, ähm, randwissenschaftliche Sachen herausgegeben werden, war mir neu. Unter anderem die Pop-Culture-Reihe "... and Philosophy". Neben South Park, Metallica, Watchmen, Batman, X-Men, Terminator und noch einigen anderen populären Titeln findet sich darin auch Twilight and Philosophy - eine Sammlung wissenschaftlich fundierter, aber meist nicht ganz bierernster Abhandlungen über Stephenie Meyers Vierteiler.

Die erste Hälfte habe ich genossen, die zweite war so lala; das war nämlich der Punkt, wo die Feministinnen auf- bzw. zuschlugen. Ich habe ihre Argumentation nach dem ersten Essay verstanden. Das zweite betonte ihre Betrachtungsweise. Nach dem dritten war sie wirklich deutlich. Und nach dem vierten... Insbesondere anstrengend ist es, wenn die betreffende Autorin sich zu sehr von ihrer eigenen Vergangenheit reiten läßt: Edward = absolut schlecht, weil dem früheren, kontrollierenden Freund zu ähnlich; Jacob = ganz super, weil mit dem jetzigen Partner zu vergleichen. Wissenschaftliche Objektivität geht eben immer nur so und so weit.

Ansonsten aber eine unterhaltsame Betrachtung verschiedener Aspekte der Tetralogie. Mein Lieblingsaufsatz dabei ist "To Bite or Not to Bite: Twilight, Immortality, and the Meaning of Life", in dem Autor Brendan Shea ausführt, daß die menschliche Natur Sterblichkeit braucht, weil sie sich darüber definiert. Unsterblichkeit geht zwangsweise mit dem Verlust der Menschlichkeit einher - das ist echte Vampire: the Masquerade-Betrachtung! Schönes Zitat aus der Abhandlung:

Imagine for a moment that you are Carlisle. It's morning; you spent the sleepless night listening to music and rereading your favorite book for the thirtieth time. You go downstairs and say good-bye to your family. You're never tired, so there's no point to picking up coffee on the way to work. You only need to hunt for your food once a month or so, so there's no such thing as a family breakfast. It's cold outside, but you don't notice. You'll never get ill from underdressing, or not washing your hands, or eating the wrong thing; you'll never be out of shape or be tired after a long day's work. There's no need to give your children a ride to school, or to worry when they are not home on time. The last time one was hit by a car, the vehicle was the victim.

Weitere Themen (u.a.): Vegetarismus, Zeit, Bella und Palin (autsch!), mormonische Einflüsse.

7
Okt
2009

Lesen exzessiv: Flammendrot

Wenn sie ihre Altersgenossinnen erzählen hört, hat Zoë das Gefühl, die einzige Jungfrau der Welt zu sein. Als sie beginnt, mit Justin auszugehen, scheint ein Ende in Sicht zu sein – doch mehrere unerfreuliche Vorkommnisse in ihrem Freundeskreis lassen Zoë am Wert des Themas Nr. 1 zweifeln…

Und obwohl sich in Torch Red – Color Me Torn alles um das eine dreht, bleibt meine Aussage bestehen: Natürlich begehen Zoës Freundinnen alle nur möglichen Fehler, während sie selbst als Identifikationsfigur des Lesers gerade noch davonkommt und ihrem Freund die Kündigung einreicht. Erleichternd! Ich wünschte, Melody Carlson würde ihre sonst immer sehr schön gezeichneten Charaktere einfach mal selbst Erfahrungen sammeln lassen.
Nicht, daß nicht auch gewisse Lernkurven zu verzeichnen sind, in diesem Fall sogar bei mir als Leserin. Nennt mich naiv, und vermutlich hättet ihr recht (da wäre diese Anekdote aus Amsterdam – doch das ist eine andere Geschichte), aber ich hatte zum Beispiel keinen leisen Schimmer, was eine rainbow party ist. Hm. Überlaßt es der christlichen Autorin, mich aufzuklären.

Trotzdem alles ein wenig zu vorhersehbar. Natürlich entpuppt sich Justin am Ende als Fiesling, denn wäre er ein netter Kerl wie Nate (der als anständiger Christ und ganz offensichtlich Zoës Zukünftiger selbstverständlich wartet) würde er nicht das von Zoë wollen. Ganz so schwarz und weiß ist die Welt, fürchte ich, leider nicht.
Dabei fährt Torch Red mit wirklich schönen oder witzigen Szenen auf. Die Episode um Shannon ist sehr gelungen, und Zoës Projekt, Statistik über sexuelle Anspielungen im Fernsehprogramm zu führen, ist grandios – von sämtlichen Szenen der Theaterproben ganz zu schweigen!

Ganz egal, wie man zu der Thematik steht (und ich vertrete da die eher unpopuläre "Weniger ist mehr"-Meinung), dürfte die letzte Auflösung gar nicht mal so unrealistisch sein. Was einen am Wert moderner Jugendmedien zweifeln lassen sollte.
Wer keine großen Überraschungen erwartet, findet in Torch Red jedenfalls eine kurzweilige Lektüre. In deutscher Übersetzung (wohl bisher als einziger Band der True Colors-Reihe) unter dem Titel Lena - Ich dachte, ich bin die einzige Jungfrau auf der Welt.

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