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Archiv

13
Dez
2008

Märchenstunde 2

August der Starke kehrt aus seinem Feldzug gegen die Türken zurück und belehnt den kroatischen Reiterobristen Johannes Schadowitz für seine Verdienste mit dem Gut Groß Särchen bei Hoyerswerda. Der südländisch wirkende, hochgewachsene Obrist ist weitgereist und bringt unter anderem das Wissen, dem Meer Land abzutrotzen, das die Holländer besitzen, mit in die sächsische Provinz. Er nutzt es dazu, die umliegenden Sümpfe trockenzulegen. Für die dankbare Bevölkerung grenzt diese Technik an Zauberei. Auch sonst entpuppt sich der streng katholische Gutsherr, der jeden Tag nach Wittichenau zur Messe fährt, als Wohltäter der Gemeinde. Am 29. Mai 1704 stirbt er schließlich im stolzen Alter von achtzig Jahren. Die Geschichten und Legenden um den gütigen, mit Zauberkräften ausgestatteten Fremden wachsen und gedeihen nach seinem Tod munter weiter.
Heutzutage kennen die wenigsten Johannes Schadowitz, aber unter seinem mundartlich verballhornten Namen Krabat (von "Chorwat" - sorbisch - oder "Krawat", also "Kroat") ist er in die Überlieferung eingegangen.

Mit der früher tatsächlich existierenden Mühle von Schwarzkollm hat der gute Obrist nie etwas zu tun gehabt. Hier wurden ähnlich wie beim Rattenfänger von Hameln zwei historische Begebenheiten in der Sage miteinander verwoben.

Mühlen haben seit jeher eine große Rolle in völkischen Legenden gespielt. Sie lagen stets ein wenig außerhalb der Siedlungen und erforderten ein nicht geringes Maß an technischem Wissen, so daß die breite Bevölkerung nicht viel von den Vorgängen auf einer Mühle mitbekam oder auch nur ein Verständnis dafür entwickelte. Insbesondere Windmühlen mußten für ihren Betrieb günstige Wetterlagen ausnutzen und liefen mitunter auch nachts, wenn das Tagewerk der frommen Bürger längst verrichtet war. Durch ihre Arbeit waren Windmüller zwangsläufig sehr erfahren in der Wettervorhersage. All dies brachte sie schnell in Verruf; Hexenmeister waren sie, oder der Teufel höchstselbst betrieb ihre Mahlwerke. Was lag also näher, als den guten Zauberer Krabat und den bösen Teufelsmüller als Erzfeinde zu etablieren?

Am Rande bemerkt: Die weitverbreitete Legende vom betrügerischen Müller beruht auf der Tatsache, daß Mehl bei gleichem Gewicht ein geringeres Volumen hat als Getreide. Der Bauer lieferte also x Säcke voll Weizen an und bekam eine geringere Anzahl zurück. Somit war man natürlich schnell mit der Behauptung bei der Hand, der Müller hätte mehr als seinen ihm zustehenden Anteil abgezweigt...

9
Dez
2008

Märchenstunde 1

1284.
130 Kinder der Stadt Hameln verlassen ihre Heimat; junge Leute, die sich von Werbern für die Besiedelung eines Landstrichs weit im Osten haben gewinnen lassen. Für die mittelalterliche Stadt ein herber Aderlaß. Fortan wird die Straße, durch die die jungen Hamelner ausgezogen sind, die "Bungelosestraße" genannt, und kein Musikant darf in ihr spielen. Vielleicht nicht nur des düsteren Angedenkens, sondern auch des "Pfeifers" wegen, des buntgekleideten, flötenspielenden Werbers...

Soweit die Vermutungen der Geschichtsforscher zur Entstehung der Legende vom Rattenfänger. In der ältesten schriftlichen Fixierung (zwischen 1430 und 1450), einer alten Inschrift, die sich heute am Rattenfängerhaus gleich neben dem Eingang zur Bungelosestraße befindet, ist von Ratten keine Rede. Berichtet wird lediglich vom Auszug der Kinder auf Betreiben eines "in allerlei Farbe gekleideten" Pfeifers. Als relativ sicher gilt heutzutage, daß die Hamelner Bürger die ersten Siedler der Siebenbürgen im heutigen Rumänien wurden.

Die Ratten wanderten erst später in die Erzählung. Im Mittelalter waren Rattenplagen keine Seltenheit, so daß es nicht überrascht, daß Erzählungen davon mit dem tragischen Ereignis Hamelns verschmolzen.

Ob es sich der unbekannte Flötenspieler je geträumt hat, durch seine gut geleistete Arbeit nicht nur eine ordentliche Provision zu erhalten, sondern auch achthundert Jahre später in aller Welt berühmt zu sein?

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7
Dez
2008

Märchenstunde - Prolog

Winter.
Die Tage sind kurz, die Abende lang, Fernseher und Radio noch nicht erfunden. Lesen können die wenigsten, und beim Licht einer Kerze oder Öllampe wäre das auch nicht förderlich für die Augen. Was macht man als mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Mensch, sofern man nicht gerade für Nachwuchs sorgt? Die Frauen spinnen, stopfen, stricken, sticken oder klöppeln, die Männer schnitzen vielleicht, bessern Gerätschaften ihres Berufsstandes aus. Vielleicht wird musiziert. Vor allem aber wird erzählt. Von den Nachbarn oder Verwandten. Von den geheimen Heilmitteln der Muhme, die Warzen besprechen kann. Von dem alten Einsiedler, den Großvater noch gekannt hat. Von dem Wolf, der zu Urgroßmutters Zeiten...

Willkommen im Reich der Spinnstuben, der Märchen und Legenden. Passend zur kalten Jahreszeit möchte ich in nächster Zeit ein paar Sagen vorstellen, die sich durch die klassischste aller menschlichen Eigenschaften, das Übertreiben, zwar weit von ihrem Ursprung entfernt haben, aber dafür berühmt geworden sind. Die erste Folge gibt's übermorgen.

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27
Nov
2008

A-Team

Liebe A., vielleicht bringst du mich doch noch nach Irland, wenn du mich für den Flug k.o. setzt. ;) Was für eine Landschaft zum Wandern!

Dingle

Malham samt Gordale Scar wäre auch noch ein Traumziel.

Oder vielleicht doch lieber Rumänien? Schwelg…

Oder doch noch mal Prag?

12
Nov
2008

Und tschüß

Dann mal auf irgendwann, Vattern!

19
Aug
2008

The word is Arrr!

Nun ist es nur noch ein Monat bis zu unserem Lieblingsfeiertag, dem Talk Like A Pirate Day (TLAPD). Grund genug, noch mal auf die wichtigste Äußerung aller Piraten hinzuweisen: „Arrr!“ Nicht „Argh!“, „Ah!“, „Arg!“ oder etwas ähnliches – den Laut gibt man von sich, wenn man sich auf einen Belegnagel setzt, und *das* würde einem echten Piraten nie passieren. Schon gar nicht zu verwechseln ist es mit „Aye!“
„Arrr!” ist praktisch in allen Lebenslagen anwendbar, von Begrüßung über Zustimmung bis zur allgemeinen Anwesenheitsmeldung oder Zurkenntnisnahme, und zum Erschrecken gekidnappter Gouverneurstöchter taugt es auch. Also übt schon mal schön, damit es am 19. September klappt.

18
Jul
2008

Antworten, die keiner wissen will, auf Fragen, die keiner gestellt hat

Ja, der Titel ist geklaut, und für alle, die das nicht wussten, gleich die erste Info: Das war die Rubrik im seligen Garfield-Magazin, in der gefakte Leserbriefe beantwortet wurden.
Was das mit diesem Beitrag zu tun hat? Das wäre doch gleich eine der besagten Antworten. Hier gibt's Wissenswertes, über das man sich eigentlich nie Gedanken gemacht hat.

Das UNICEF-Schlumpfvideo wurde aufgrund seines für Kinder verstörenden Inhaltes nur im Spätprogramm gezeigt, kam da allerdings gut an. Zunächst lief es nur in Belgien, dann zeigten auch internationale Sender Interesse.


Klare Aussagen:
Ex-Raucher und Sprecher für die Canadian Cancer Society William B. Davis verpafft als Bösewicht in den X-Files schachtelweise Zigaretten – in Wahrheit Kräuterzigaretten, was ich trotzdem sehr mutig finde, da die Dinger ja auch Teerstoffe enthalten. Auch Ernie Hudson bestand darauf, in The Crow Flagge zu zeigen und seinen Charakter am Ende des Films das Rauchen aufgeben zu lassen.


Das von mir nie so richtig wertgeschätzte Holz-Zentralblatt ist meinem Vater zufolge eine echte Fachzeitschrift und wurde selbst in seiner Firma in Ghana gelesen. Ich arbeite es deshalb trotzdem nicht mit mehr Begeisterung ein.


Roxy Musics 2HB übersetzt sich in "To Humphrey Bogart". Dicke Hommage an Casablanca.

Nachdem ich den Streifen bewaffnet mit ein paar Kenntnissen des Drehbuchschreibens endlich mal gesehen hatte, war mir klar, warum er oft als perfekter Film bezeichnet wird. Wie aus dem Lehrbuch - Charakterbogen, Handlungsbogen, der "drive" der Charaktere und der dadurch unvermeidliche Konflikt, Information durch Handlung statt Irving the Explainer, die Zuspitzung des Dramas im dritten Akt... mustergültig.


Einmal darf ich noch: Wer sich wie ich anfangs (inzwischen weiß ich natürlich alles!) fragte, was das Station to Station-Cover darstellen sollte:

Nebenbei witziger Dialog, der aber nur wirklich Sinn macht, wenn man das Buch kennt.
Das Low-Motiv wurde übrigens von der gleichen Quelle geborgt (na, wer hatte da keine Lust auf Fotosessions?) und stammt ganz entgegengesetzt seines „feurigen“ Hintergrundes ursprünglich aus einer Szene am See, mit vielen Blautönen.
Und die beste Anekdote zu dem Thema ist, dass Regisseur Nicholas Roeg zwecks Casting einen Termin mit Mr. B vereinbart hatte, den dieser allerdings verpennte. Acht Stunden später kam er also zurück in sein Hotel, und Roeg saß immer noch da. Das nenne ich Einsatz!


Ist eigentlich hier falsch, weil die Antwort tatsächlich verlangt wurde, aber egal: Frau Barbara Rütting ohne L, Jahrgang 1927, ist ehemalige Schauspielerin (sie gab den Job für ihr Engagement in Sachen Tier- und Umweltschutz auf), Autorin, Gesundheitsberaterin und Tierschützerin und wurde hauptsächlich durch ihr Vollkornbrot bekannt. Außerdem ist sie Mitglied der Grünen. Ihr Markenzeichen dürfte wohl ihr Pottdeckel-Haarschnitt sein…
Ihre Website.

5
Mai
2008

Volkswagen statt Pferde - Potpourri Mai

Urlaub und ab in die internetlose Wüste! Werde vielleicht bei Vattern mal reinschauen, aber da ich seinen Möglichkeiten der Trojanerabwehr nicht wirklich vertraue, erwartet bitte nicht, dass ich mich einlogge, um was Neues zu posten. Daher das übliche Potpourri zur Überbrückung:

1. „And that was the second time Johnny had to throw up. He had to do this scene six times, and after the sixth take he didn’t come back. He was somewhere in the bushes, throwing up.”
So Regisseur Tim Burton in seinem Audiokommentar zu Edward Scissorhands mit hörbarem Vergnügen. Ansonsten ist der Kommentar zu vernachlässigen. Man erfährt einige interessante und witzige Infos, aber für einen Film dieser Länge erzählt Burton eindeutig viel zu wenig. Dafür ist der Kommentar von Danny Elfman (Komponist) der bislang ungewöhnlichste, der mir untergekommen ist. Die Dialogtonspur wurde komplett weggelassen; stattdessen läuft der Film nur von Elfmans Musik untermalt ab. Spannend! Und Elfmans Anmerkungen zur Musik und zur Zusammenarbeit mit Burton lohnen sich definitiv, auch wenn oft lange Pausen zwischen den Kommentaren liegen.

2. A propos, beide Hellboy-Kommentare (Guillermo del Toro und Mike Mignola / Ron Perlman, Selma Blair, Jeffrey Tambor und Rupert Evans) sind extrem witzig. Letzterer insbesondere, ich habe nicht mal bei Keira Knightley und Jack Davenport auf Pirates 1 so viel gelacht. Ron Perlman ist wirklich ein Comedy-Talent. Wenn er del Toro oder Jerry Lewis imitiert, bleibt kein Auge trocken, und bei der Schilderung seines Joch-Unfalls schrieen sogar seine Co-Stars vor Lachen. („I don’t know who designed that yoke, but if I do: I’m coming for you!“) Und dann war da ja noch die Kußszene…
Ron: So I had to wait 53 years to kiss the girl in the end.
Rupert: How was it, to kiss the red boy?
Selma: Very romantic. But a bit too much tongue.
Ron: On who’s part?!
Selma: Yours! (…) So I say to Guillermo: ‚I think it was too much tongue.’ And he goes: ‚RON!!!’

3. Und a propos O-Ton:
„Ich habe es so gehört, also erzähle ich es so weiter.“ (Ein Kollege über eine Kollegin. Soviel zum Thema Gerüchte und üble Nachrede.)
„An meine kirchliche Trauung erinnere ich mich gar nicht mehr. Ich weiß nur noch, daß ich mich auf die Eisbombe gefreut habe, die es hinterher gab.“ (Meine Mutter, romantisch wie immer)
„Schon von seiner Stimme bekomme ich einen Orgasmus.“ (YouTube-Kommentator/in über Robert Smith)
„He’s a German boy, where did he learn to ride like that?“ (Eli Wallach über Horst Buchholz in Die glorreichen Sieben. Ich liebe Amis und ihre Sicht der Welt.)

4. Die besondere Unterkunft in Neuseeland gefällig? Auf woodlynpark.co.nz findet ihr die Möglichkeit, im ersten Hobbit-Motel der Welt unterzukommen.

5. Was sehen meine Augen - es gibt eine DVD-Version von Neil Gaimans TV-Mehrteiler Neverwhere! Kein Vergleich mit dem Buch natürlich, aber ich fand die Verfilmung schon sehr unterhaltsam.

6. Es wird stürmisch:

Blackmore’s Night: The Storm
Ich weiß, das Video ist nicht der Hit – aber glaubt mir, ich habe noch das am wenigsten schreckliche ausgesucht… ehrlich!

7. Und weil Jan es schon mal ansprach:

Rainbow: Temple of the King
Ich glaube, ich bleibe lieber bei BN. :-)

8. Cover(ed) ist nicht meine Kategorie, immerhin wurde mir bereits aus fachkundigen Kreisen bestätigt, daß ich keine Ahnung von Musik habe. :-) Aber diese beiden Versionen von Walking in Memphis wollte ich mal gegenüberstellen, weil ich Marc Cohns Original sehr schätze und Chers Fassung nicht ausstehen kann. (Und ja, mir ist bekannt, daß auch eine Version von Lonestar existiert.)

Marc Cohn

Cher

Und ein witziges Remix von beiden

Ich wünsche euch schöne zweieinhalb Wochen!

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