9
Apr
2008

Ein Licht in zynischen Zeiten: Der Wunderapostel

Erzählen Sie einem beliebigen Menschen etwas von geistigen Werten. Im besten Fall setzt Ihr Gegenüber eine höflich-ernste Miene auf und macht „Hm“. Im weitaus üblicheren Fall ernten Sie ein Grinsen, gepaart mit einer Bemerkung, die das Gespräch schnell wieder in „leichtere“ Bahnen lenken soll – man nennt es auch Lächerlichmachen oder Spott. Angesichts dessen war Thomas Busses Idee, die Bücher „Der Sonnenbruder“ und „Der Wunderapostel“ von Hans Sterneder zu verfilmen, durchaus ein gewagtes Unternehmen.
Als Diplom-Sozialpädagoge hatte er sich bereits seit längerer Zeit mit dem Einfluß der Medien auf Kinder und Jugendliche beschäftigt. Seine Überlegung war nun, dass, wenn Filme mit gewalttätigem Inhalt die Gewaltbereitschaft von Menschen fördern, es im Umkehrschluß auch gelingen müsste, durch positive Filme das Gute im Menschen zu unterstützen. Finanziert durch die Grete-Häusler-GmbH, einem Ableger des Bruno-Gröning-Freundeskreis, dem Busse damals verbunden war (was ihm und seinem Film teilweise massive Kritik einbrachte) und fast komplett mit Laiendarstellern besetzt, ist „Der Wunderapostel“ ein in mehr als einer Hinsicht interessantes Projekt und inzwischen einer der meistbegehrten Artikel bei eBay… (Wer den Film auf DVD veröffentlichen würde, dürfte sich der Dankbarkeit einer Menge Leute sicher sein!)
Die Adaption der Romanvorlagen ist sehr frei gehalten; Beatus’ Geschichte bleibt recht nah am Original, aber das meiste andere wurde doch stark verändert. Zum Vorteil des Films, wie ich persönlich finde – „Der Sonnenbruder“ war schön zu lesen, aber beim „Wunderapostel“ habe ich sehr schnell das Handtuch geworfen.

Zur Handlung: Nach einem Unfall, der seine brilliante Karriere als Geiger zerstört hat, zieht Beatus Klingohr als Vagabund durch die Lande, auf der Suche nach den Antworten auf die großen Menschheitsfragen: Was ist der Sinn des Lebens? Warum existiert Leid, wenn es einen gerechten Gott gibt? Auf seinen Wanderungen hört er von einem geheimnisvollen Mann, den man den Wunderapostel nennt und in dessen Gegenwart Heilungen geschehen sein sollen. Beatus begibt sich auf die Suche nach ihm und findet ihn schließlich auch. Was er von nun an in dessen Nähe erlebt, öffnet ihm die Augen zu einem ganz neuen Weltverständnis…

Thomas Busse selbst spielt den Wunderapostel, die Jesus-Gestalt des Films, wurde allerdings in der Endfassung synchronisiert. Kritiker haben ihm vorgeworfen, Bruno Gröning in dem Charakter verklärt zu haben. Dazu kann ich wenig sagen, da ich Grönings Lehre nicht tiefergehend kenne. Die Übereinstimmungen der im Film genannten Punkte zur Gralsbotschaft Abd-ru-shins, auf der meine eigene Überzeugung beruht, sind allerdings bemerkenswert: „Gott straft nicht. Der Mensch schafft sich das Leid selbst, weil er sich von der göttlichen Kraft abgeschnitten hat.“ So ungefähr dürfte der Kern der Aussage lauten.
Ein ganz anderer Kritikpunkt ist die künstlerische Qualität des Films, und da muß ich leider teilweise zustimmen. Angesichts der Tatsache, dass zu 99,9% Laien vor der Kamera stehen, kommen die Dialoge oft sehr hölzern und gekünstelt rüber.
Davon abgesehen ein ungewöhnlicher Film mit wundervoller Musik weit abseits des Mainstreams, von dessen Art es erheblich mehr geben sollte!

Kaufmöglichkeiten: Mau. Bei eBay wird das Video dann und wann angeboten, der durchschnittliche Verkaufspreis liegt bei 25 Euro. Ich habe auch schon ein Exemplar im ZVaB entdeckt. Es hat wenig Sinn, beim Grete-Häusler-Verlag anzufragen; seit es zwischen ihnen und Thomas Busse Konflikte gab, führen sie den Titel nicht mehr im Sortiment. Also: Augen und Ohren offen halten und die unsichtbaren Helfer um Unterstützung bitten.

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